Presseinformation

Bühne frei für Athena: Das Parthenon-Puzzle
18. November 2026 bis 25. Juli 2027
Liebieghaus Skulpturensammlung
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 17. November 2026, 11.00 Uhr

Ein 2.500 Jahre altes Bild nimmt wieder Gestalt an: Wie bei einem großen dreidimensionalen Puzzle ist es nach jahrelanger Forschung gelungen, die Fragmente eines der berühmtesten Werke der Antike neu zuzuordnen und zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert ab dem 18. November 2026 mit der Ausstellung „Bühne frei für Athena: Das Parthenon-Puzzle“ erstmals einen archäologisch fundierten Vorschlag zur vollständigen Rekonstruktion des Parthenon-Ostgiebels. Das Forschungsteam um Vinzenz Brinkmann, Leiter der Antikensammlung des Liebieghauses, hat dafür rund 60 erhaltene Fragmente mithilfe von 3D-Scans neu untersucht, einzelnen Figuren zugeordnet und mit antiken Schriftquellen sowie römischen Wiederholungen verlorener griechischer Skulpturen abgeglichen. Erstmals entsteht so ein in allen Details wissenschaftlich fundiertes Gesamtbild jener Szene, die einst den Eingang des Parthenon beherrschte: die Geburt der Göttin Athena aus dem Haupt ihres Vaters Zeus.

Der rund 30 Meter breite Ostgiebel umfasste ursprünglich 39 monumentale Marmorskulpturen von bis zu 3,50 Metern Höhe. Brände, Erdbeben und menschliche Eingriffe zerstörten große Teile des Ensembles; nur elf kleinere Skulpturen aus den Giebelecken sind teilweise erhalten, von den verlorenen kolossalen Figuren zeugen rund 240 Fragmente. Obwohl diese bereits 1910 publiziert wurden, blieben entscheidende Fragen nach Anordnung und Gestalt der Figuren bislang offen. Die Ausstellung im Liebieghaus veranschaulicht, wie das Team um Vinzenz Brinkmann aus einzelnen Fragmenten, technischen Spuren und historischen Bildquellen das verlorene Skulpturenensemble rekonstruiert hat. Drei Rekonstruktionsstufen zeigen den erhaltenen Bestand, die neu erschlossenen Zuordnungen und den daraus entwickelten Vorschlag für die Ostgiebel-Komposition. Besonders aufschlussreich sind dabei Skulpturen, von denen heute kaum oder gar nichts erhalten ist. Hinweise auf ihre Gestalt und Position liefern römische Bildwerke, die Motive des verlorenen griechischen Ensembles wiederholen. So lassen sich etwa die Dioskuren auf der Piazza del Quirinale in Rom oder eine Hermesfigur anhand charakteristischer Details mit dem Parthenon in unmittelbare Verbindung bringen. Die Ausstellung macht diesen Forschungsprozess anhand ausgewählter Werke der Liebieghaus Skulpturensammlung sowie hochkarätiger Leihgaben unter anderem aus dem Pariser Louvre und den Vatikanischen Museen nachvollziehbar. Eine eigens entwickelte Szenografie führt Schritt für Schritt durch die Rekonstruktion und verbindet neueste archäologische Erkenntnisse mit der rund 200-jährigen Forschungsgeschichte des Parthenon. Höhepunkt ist eine eigens für die Ausstellung entwickelte Animation, in der die Figuren des Ostgiebels wieder zu einer monumentalen Szene zusammenfinden und das verlorene Bildprogramm des Parthenon auf Grundlage der neuen Forschung erstmals als Ganzes erfahrbar wird. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Blick auf die politischen Bedingungen, unter denen der Parthenon entstand.

„Seit rund 200 Jahren versucht die archäologische Forschung, das verlorene Gesamtbild des Parthenon-Ostgiebels zu rekonstruieren. Dass wir heute neue und überraschende Antworten auf diese große Frage der Archäologie geben können, ist das Ergebnis jahrelanger intensiver Forschung am Liebieghaus. Zugleich knüpfen wir damit an eine lange Frankfurter Tradition an, die eng mit der Erforschung der Athener Akropolis und der griechischen Klassik verbunden ist. Mit der Ausstellung stellen wir unsere Ergebnisse erstmals der Öffentlichkeit vor und laden dazu ein, eines der bedeutendsten Bildwerke der Antike neu zu sehen und zu diskutieren“, sagt Philipp Demandt, Direktor der Liebieghaus Skulpturensammlung.

„Seit vielen Jahren haben wir daran gearbeitet, das große Puzzle des Parthenon-Ostgiebels zu lösen. Entscheidende Hinweise lieferten oft kleinste Spuren an den erhaltenen Fragmenten, etwa Bohrlöcher, Bruchkanten oder Bearbeitungsspuren. Zusammen mit römischen Wiederholungen und antiken Schriftquellen ergaben sich daraus neue Verbindungen, durch die wir Fragmente einzelnen Figuren zuordnen und selbst verlorene Skulpturen und ihre Position im Ostgiebel erschließen konnten. Eine wichtige Grundlage dafür war der intensive wissenschaftliche Austausch mit internationalen Kolleginnen und Kollegen, insbesondere mit unseren griechischen Partnern. So fügte sich das Puzzle Stück für Stück zu einem neuen, archäologisch fundierten Gesamtbild des Parthenon-Ostgiebels zusammen“, erklärt Vinzenz Brinkmann, Kurator der Ausstellung und Leiter der Antikensammlung des Liebieghauses.

Kurator: Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann (Sammlungsleiter der Abteilung Antike und Asien, Liebieghaus Skulpturensammlung)
Projektleitung: Jakob Salzmann (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Antike und Asien, Liebieghaus Skulpturensammlung)

Gefördert durch: Stadt Frankfurt am Main, Gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH
Mit weiterer Unterstützung durch: Städelverein, die Stiftung Elliniko Spiti - Griechisches Haus in Frankfurt, Piraeus Bank

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